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Wer wird denn da…

February 6th, 2011 | No Comments | Posted in Akademisches by David Ifkovits

.. so wenig Rücksicht auf korrektes Zitieren nehmen?

“Darum gebe ich auch keine Quellen an, weil es mir gleichgültig ist, ob das was ich gedacht habe, vor mir schon ein anderer gedacht hat.”

Kleiner Tipp: Der Herr war Österreicher und wird heute selbst von PhilosophInnen aus aller Welt zitiert. Ob es jemals jemand durch seinen ganzen “Tractatus” geschafft hat, bleibt aber zu bezweifeln.

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Das Stofftaschen-Paradoxon

February 5th, 2011 | No Comments | Posted in Allgemein by David Ifkovits

Vor kurzem hatte ich  sehr anregende Unterhaltung mit einem grünen Jungpolitiker über die (Un)vereinbarkeit von Ökologie und Ökonomie. Unsere Unterhaltung lässt sich am besten mit einem Phänomen zusammenfassen, das mir schon seit längerem durch den Kopf geht: Das Stofftaschen-Paradoxon.

Die Stofftasche hat das geschafft, was in der menschlichen Welt dem American Dream entspricht. Sie hat sich von einem sozial geächteten Objekt zum Modeaccessoire gewandelt, in dem urbane Mittzwanziger ihre essentiellen Besitztümer herumtransportieren: iPads, Bücher, Geldbörsen, Kameras und Supermarkteinkäufe. So weit so gut – eigentlich sogar sehr begrüßenswert. Denn plötzlich ist es nicht mehr hippiehaft, in einer Stofftasche seine Biohaferflocken vom Wochenmarkt nach Hause zu tragen, sondern erstrebenswert, ja vorbildhaft und “trendy”.

Aber Stop: Warum hat die Stofftasche ihren Triumphzug angetreten? Wegen ihres ökologischen Vorteils gegenüber Plastiksäcken? Natürlich nicht. Die Stofftasche ist dort angelangt wo sie ist, weil sie eine urbane Subkultur zu einem neuen Statussymbol auserchoren hat. Sie hat das Retro-Element, den subversiven Touch und das Residuum an Individualität, das nötig ist, um einer Jugendbewegung Sinn einzuhauchen, den es eigentlich gar nicht gibt. Früher oder später wird sie damit zum Massengut. Und das bedeutet, sie muss alle paar Monate ausgetauscht werden. Wer will schon die Kollektion vom Vorjahr auf seinen Schultern tragen? Die Farben werden wechseln, die Träger kürzer oder länger und die Motive so zahlreich, dass sich jeder ein Stückchen Individualität in einer eigentlich homogenen Masse sichern kann.

Was hat das nun mit Ökologie zu tun? Sollte diese Entwicklung eintreten, hat die Stofftasche ihren ökologischen Benefit vollkommen verloren und würde zu einem Gut, das in regelmäßigem Abstand ersetzt werden muss. Und genau die gleiche Sorge habe ich mit der “Sustainability”-Bewegung. Was sind ihre Motive? Trendbewusstsein oder Ideologie/Rationalität? Was bleibt am Ende substantiell übrig von CSR-Berichten und “Auch unser Unternehmen ist jetzt grün”-Werbespots?

Zumindest für das Stofftaschen-Paradoxon haben wir dann noch eine Lösung gefunden: Kollusion. Ein ökologisches Kartell sozusagen: Jedem Kunden wird nur eine Stofftasche pro Jahr verkauft ;)

Identität in der Ökonomie

October 29th, 2010 | No Comments | Posted in Literatur by David Ifkovits

“Just as people suffer from a factory’s pollution, they may suffer a loss if others violate norms.”

Dieser Satz stammt nicht aus der Feder eines Soziologen oder Anthropologen, sondern findet sich im eben (auf Englisch) erschienenen “Identity Economics“. Die AutorInnen sind keine geringeren als der Nobelpreisträger George Akerlof und die Ökonomin Rachel Kranton. Die beiden haben sich ein großes Ziel gesetzt: Den homo oeconomicus umzudefinieren; und der mikroökonomischen Theorie die Realität zurückzugeeben, die sie in den letzten Jahrzehnten irgendwo verloren hat.

Die Finanzkrise ‘08 hat sich in der akademisch-ökonomischen Welt sehr unterschiedlich ausgewirkt. Die Reaktionen reichten von marxistischen Weltuntergangsprophezeiungen über schadenfrohe heterodoxe ÖkonomInnen, die sich ins Fäustchen lachten, bis hin zu purer Ignoranz im Kern des Rational-Expectation-Mainstreams (“Finanzkrise? So what. Deleveraging und weiter gehts.”)

Abgesehen von den Schuldzuschreibungen zeigt sich jedenfalls ein klarer Trend: Erweiterungen und Alternativen zum ökonomischen Mainstream stoßen auf größeres öffentliches Interesse. George Soros ist ja nicht gerade für schlechte Investment-Entscheidungen bekannt und hat dem Institute for New Economic Thinking nicht umsonst mal eben 50 Millionen Dollar überlassen.

Wenn ich mich an meine ersten VWL-Studientage zurückerinnere, fällt mir sofort ein, wie abstrakt und ungreifbar die Theorie auf mich wirkte. Preise gehen runter, Nachfrage rauf – Klar. Aber was, wenn man keine Wahl hat? Wenn man dieses Mathe-Lehrbuch nun mal für einen Kurs kaufen muss – egal wie viel es kostet. Wenn man seine Miete nun mal bezahlen muss, egal ob sie um 25 Euro gestiegen ist oder nicht. Ein bisschen Ersparnis ist doch nicht gleich einen Umzug wert.

Aber mit fortgeschrittenem Studium gewöhnt man sich an die neoklassische Denkweise. Natürlich könnte man weiter hinterfragen, aber letztendlich gibt es bei jeder Prüfung nur eine richtige Antwort: Die, die Theorie vorgibt. Multiple-Choice-Prüfungen im ersten Studienjahr mit rigorosen Ja/Nein-Antworten auf Fragen wie “Sind Preisobergrenzen zu befürworten oder nicht?” machen die Situation noch schlimmer. In Retrospektive habe ich mit meinem Studium einen Tunnel betreten und bin immer tiefer vorangeschritten. Dieser Tunnel führt durch das Gebirge “wirtschaftliche Realität”. Das Leitsystem ist hervorragend, überall logische Anleitungen, wie man weitermachen muss. Von Mikro-Grundlagen in einer weichen langgezogenen Kurve zur Spieltheorie, dann durch eine kleine Unebenheit im Gebiet der Preisdiskriminierungen, straigth auf die Gerade der mikrofundierten Wachstumsmodelle. Das großartige in diesem Tunnel ist, dass es keine Unfälle gibt. Der Verkehr fließt in konstanter Geschwindigkeit im Gleichgewicht und jeder hält sich an die Regeln.

Aber mulmig bleibt es einem trotzdem. Der Tunnel ist schließlich ziemlich düster beleuchtet und wer weiß schon, ob einem nicht im nächsten Moment die Decke auf den Kopf fällt. Und überhaupt: Wie viel vom Gebirge, das man durchschreitet, bekommt man im Tunnel mit? Wo sind die Gipfel und Plateaus? Was für Fauna findet sich da draußen? Und wie ist eigentlich das Wetter?

Genug der Metaphern. Ich denke, jede Kollegin und jeder Kollege weiß, was ich meine: Wir hatten schon immer unsere Zweifel an der Macht der Theorie, mit der wir uns jahrelang beschäftigt haben, aber haben uns ein (kleines oder größeres) Stück gebeugt, da wir einfach nicht anders konnten. Manche von uns haben einfach Gefallen an der mathematischen Schönheit dieser Modellwelt gefunden, andere hatten pragmatischere Gründe; wie einen Notenschnitt, den sie nicht zerstören wollten.

“Where do we go from here?”

Das ist die alles entscheidende Frage. Einerseits wollen wir unsere lieb gewonnene Disziplin nicht verlassen, drei Jahre Bachelor-Studium als sunk costs zu verbuchen, ist zumindest mir ein zu hoher Verlust. Aber andererseits: Wollen wir wirklich in diesem Tunnel bleiben und versuchen, ihn weiter zu stützen – trotz all der Rissstellen, die uns früher oder später aufgefallen sind? Als Belohnung winken schließlich ein gut bezahlter Job oder als wissenschaftliches Pendant ein 1A-Citation-Index-Ranking. Die gute Nachricht ist: Es könnte einen dritten Weg geben. Wir könnten uns an neue Forschungsstränge wie Behavioral Economics heften und hoffen, dass sie eines Tages ausreichend akzeptiert sind. Es könnte ja passieren, dass wir eines Tages nicht mehr als “mathematikfaul” oder “zu sehr in Einzelfällen denkend” abgewertet werden, sondern Platz finden in einem neuen ökonomischen Paradigma, das, wie auch immer es geartet sein mag, ein bisschen mehr Liebe zur Realität hegt und weniger Wert auf (irreale) Formalität legt.

“Identity Economics” könnte so ein neuer Forschungsstrang sei. Aber Vorsicht: Nicht alles, was Ökonomie-Nobelpreisträger von sich geben, muss unbedingt neu und innovativ sein. Und genau das beweist Akerlof gemeinsam mit Kranton in diesem Buch leider. In der Essenz betreiben die beiden Patchworking. Das Buch strotz nur so von Verweisen auf psychologische/soziologische/anthropologische Studien und zeigt deren Bedeutung auf. Große Überraschung: Die Mainstream-Ökonomie kann diese “irrationalen” Verhalten nicht erklären. Daher muss das Entscheidungsmodell (Optimierung einer individuellen Nutzenfunktion) überarbeitet werden. Neben pekuniären Größen gelten auch nicht-pekuniäre Variablen als Entscheidungsfaktoren, die sich je nach sozialem Kontext ändern können.

Kurz gesagt: Wir wählen nicht nur das, was unserem individuellen Geschmack entspricht, sondern auch das, was mit unserem sozialem Kontext im Einklang steht. Beispiel: Eigentlich würden wir ja gerne mit der bequemen Jogginghose im Hörsaal rumlungern, aber der soziale Kontext der Universität erlaubt das nun mal nicht.

Herr Akerlof, Frau Kranton: Ehrlich? Das war’s? Mehr hat die Ökonomie nicht hinzuzufügen?

Meine Meinung zum Buch: Dank des großen Namens, der dahinter steht, wird es eine fruchtvolle Debatte unter ÖkonomInnen anregen. Aber aus der Sicht von ForscherInnen aus anderen Sozialwissenschaften ist das Buch doch ein unverschämter Schlag ins Gesicht: “Sorry, wir haben eure Erkenntnisse über Jahrzehnte ignoriert. Daher bringen wir sie jetzt unter das glorreiche Banner der Ökonomie und teilen den Ruhm mit euch.”

Liebe StudienkollegInnen: Ich fürchte, wir müssen noch ein wenig warten, bis wir wirklich Licht am Ende des Tunnels sehen.

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Neue Welle

October 18th, 2010 | No Comments | Posted in Allgemein by David Ifkovits

Wie lange wird es noch klassische Radiostationen geben? Ich muss gestehen: Ich höre kaum noch Radio. Und sofern mein soziales Umfeld auch nur ansatzweise eine repräsentative Stichprobe abgibt, dürfte die Zukunft dieses Mediums nicht sehr rosig ausschauen. Dem Radio bricht nämlich Stück für Stück seine werbetechnisch wichtigste Zielgruppe weg, die der Unter-45-Jährigen.

Nüchtern betrachtet würde uns Internetkinder das Verschwinden des Radios nicht wirklich stören. Natürlich wären wir kurzfristig betroffen. Schon alleine wegen der ganzen Kindheitserinnerungen, die dann hochkommen würden. Aber ganz ehrlich: Musik bekommen wir heute on demand aus anderen Quellen, von Werbung werden wir schon auf Websites ausreichend bombardiert und unsere Freizeit können wir mit Hilfe hunderter Eventkalender jetzt viel individueller gestalten, als das ein zentrales Medium jemals konnte. Und doch würde etwas fehlen. Richtig: Die gesprochene Berichterstattung.

Natürlich beziehen wir einen Großteil unserer Information auf schriftlichen Quellen oder Videos/Filmen. Sind Radionachrichten daher wirklich essentiell? JA! Sie sind der Informationshappen für zwischendurch. Im Auto auf dem Weg zur Arbeit, zur vollen Stunde im Büro oder nach einem harten Tag, an dem man nun wirklich keine Zeitung anrühren will, sondern sich einfach nur zurücklehnen und von einem Vorleser bedienen lassen will.

So dachte ich zumindest bis vor kurzem. Doch dann wurde ich Podcast-abhängig. Meinen Stoff beziehe ich momentan von zwei Quellen:

  • Planet Money: Ein großartiger Infotainment-Mix aus dem Hause National Public Radio. Die Episoden sind eher kurz und erfüllen natürlich keine streng wissenschaftlichen Kriterien. Aber sie sind großartige Denkanstöße.
  • EconTalk: Eindeutig seriöser, akademischer, tiefer. In rund einstündigen Episoden interviewt Russ Roberts Ökonomen zu verschiedensten historischen und aktuellen (polit-)ökonomischen Themen. Zugegeben: Zum Großteil handelt es sich um Vertreter aus dem libertären Umfeld. Kein Wunder, denn gehostet wird der Podcast von der Washingtoner George Mason University (die wiederum von den billionenschweren Koch Brothers finanziert wird, aber das ist eine andere Geschichte). Aber wenn man die Ideologie ausblendet, kann man aus den sehr detaillierten Interviews einiges mitnehmen.

Feels like home

October 5th, 2010 | No Comments | Posted in Allgemein by David Ifkovits

Ich befinde mich momentan auf Auslandssemester in New York – was zwar den Titel des Blogs etwas ad absurdum führt – aber eine ganz interessante Möglichkeit eröffnet: Nämlich zu sehen, ob hier der Hase (in diesem Fall: Barack Obama) wirklich anders läuft. Oder ob er sich durch das gleiche Dickicht kämpfen muss und von denselben Igeln zum Rennen herausgefordert wird wie europäische Links-der-Mitte-PolitikerInnen – hier repräsentiert durch die so genannte öffentliche Meinung, die Tea Party und natürlich die GOP.

Es sieht ganz danach aus, dass ich in den nächsten Wochen auf keinen Fall politisches Heimweh bekommen werde. Denn die Debatte, die auf die USA zukommt fühlt sich sehr vertraut an.

Was ist der Ausgangspunkt? Der amerikanische Aufschwung in Form von GDP-Wachstum kommt schön langsam in Gang: Stimmungsindikatoren zeigen nach oben, Prognosen werden allgemein rosiger und der Konsum  floriert, als ob es eine Krise nie gegeben hätte. Doch eine Zahl fällt aus dem Rahmen, die der Arbeitslosen. Und wer keynesianischer Nachfragepolitik nur den geringsten Glauben schenkt, der weiß, dass das mittelfristig für die Konjunktur nichts gutes bedeutet.

Dazu kommt die Budgetdebatte. Die temporären Tax Cuts für die obersten Einkommensschichten, die George Bush unter dem Deckmantel “Nachfragepolitik” eingeführt hat, laufen aus. Auch reiche Menschen sind Gewohnheitstiere und so verwundert es nicht, dass sie ungern auf ihren lieb gewonnenen Steuerrabatt verzichten wollen. Die USA stehen aber vor dem gleichen Problem wie viele europäische Staaten: Die Haushaltsverschuldung hat sich in den letzten Jahren massiv erhöht und eine Stabilisierung ist dringend notwending, sofern man sich nicht in einer griechischen Tragödie wiederfinden will.

Und schon fühle ich mich wieder wie zu Hause, denn die zentrale Frage bleibt die selbe, sechs Zeitzonen hin oder her: Wer bezahlt’s? Reiche? Arme? Mittelklasse? Wer ist eigentlich Mittelklasse? In den USA wohl jeder und jede, sonst würde das mit dem “American Dream” ja nicht funktionieren. Wobei: Tut es das denn? Nicht wirklich – und damit sind wir beim politischen Dauerbrenner “Chancengleichheit und soziale Gerechtigkeit”.

Liebe Leser, Sie sehen: Die politische Debatte dreht sich nicht nur im Kreis, sondern sie dreht sich auch um die ganze Erde. Und wer in diesem Karussell die besten Stränge zur Mitte und die meiste Ausdauer hat – der gewinnt – und die anderen zahlen ihm/ihr das Ticket.

Eine neue Volksaktie

June 20th, 2010 | No Comments | Posted in Allgemein by David Ifkovits

Hans Dichand ist tot. Und mit seinem Ableben stellt sich auch die Frage, wer künftig den Großteil der Anteile an der “Krone” halten soll. Ein konstruktiver Vorschlag, frei nach Dichand’schem Imperativ:

Die “Krone”, das war bottom up. Das war ein Medium, das den Ungehörten eine Stimme verlieh. Das war quasi eine fünfte Gewalt, die sich nicht nur gegen alle Staatsgewalten stellte, sondern auch gegen das, was sich in Österreich so “Qualitätsmedium” nennt. (So sieht das wohl zumindest ein kleiner Kreis von Personen in der Wiener Muthgasse)

Bevor nun also die “harten Manager aus Deutschland” (O-Ton Wolfgang Fellner in der heutigen Pressestunde) der Familie Dichand das Ruder aus der Hand reißen, sollte die “Krone” in eine Aktiengesellschaft umgewandelt werden. Die Anteile werden prinzipiell paritätisch unter den AbonentInnen verteilt, wobei einzelne Leser ein Vorkaufsrecht erhalten,  die sich in den letzten Jahren besondere Verdienste um das österreichische Volksmedium erworben haben (Leserbriefschreiber wie Franz Weinpolter und ein gewisser Cato).

Um den Wert der Aktie muss man sich auch keine Sorgen machen, denn die positive Berichterstattung kann die nunmehrige “Krone AG” gleich selbst liefern. Und für ungläubige Kritiker gibt es noch immer die Möglichkeit zur Spekulation gegen das Wertpapier. Ein schönes Bild: Armin Thurnherr als Leerverkäufer von “Krone”-Aktien. Dann hätte er endlich die lange ersehnte Möglichkeit, den Mediamil-Komplex zu zerschlagen.

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Wachstum oder Nachhaltigkeit?

June 1st, 2010 | No Comments | Posted in Allgemein by David Ifkovits

Wachstum und Nachhaltigkeit? Nein, sagt Tim Jackson. Denn um langfristig Wohlstand zu erreichen, müssen wir erkennen, dass es sich um ein Dilemma handelt. Oder um es etwas ökonomischer auszudrucken, um einen Trade Off zwischen dem immerfort währenden Erwerb neuer Güter und einem ressourcenschonenden Umgang mit der Umwelt. Am 27.05.2010 war Jackson auf der Wirtschaftsuniversität Wien zu Gast und sprach in der Aula – die sonst nur selten ein Platz für Reflexion ist – über nachhaltigen Wohlstand. Und während da im Hintergrund das Klackern von High Heels zu hören war, von Studentinnen mit dem “Mango”-Täschchen in der einen und dem Schlüssel zum in der Tiefgarage geparkten SUV in der anderen Hand, sprach Jackson von degrowth, vor allem von der Einschränkung des privaten Konsums. Ob der Mehrwert der Veranstaltung größer war als das Lachen, das er durch das französische Wort für degrowth verursachte (siehe Video, Part II), wird sich noch herausstellen…

Leider konnte ich keinen Mitschnitt des WU-Vortrags finden, aber die folgende Version ist ohnehin sehr ähnlich:

Part II

Schulden-Amnesie

May 25th, 2010 | No Comments | Posted in Finanzwelt, Wirtschaftspolitik by David Ifkovits

Irren ist menschlich. Und vergessen ist politisch. Wenn ich die Leitartikel und Kommentare der vergangenen Tage und Wochen zur europäischen Schuldenkrise lese, frage ich mich oft warum ich eigentlich Volkswirtschaftslehre studiere. Ein Studium der Medizin, insbesondere der Neurologie, wäre wahrscheinlich geeigneter um zu verstehen was für ein Prozess der Meinungsbildung sich gerade abspielt. Sowohl Politiker als auch Experten und Wirtschaftsmedien scheinen unter Amnesie zu leiden. Urplötzlich tun sich riesige Staatsschuldenberge auf ihrem Finanzradar auf! Nicht nur dass die Regierungen selbst schuld seien an dieser massiven Kapitalverschwendung – nein, man habe die treuen Investoren sogar austricksen wollen – mit Bilanzfälschung und Beschwichtigung.

Aber Moment mal. War da nicht irgendwas – prae 2010? Bevor die Bilanzlöcher urplötzlich den Kapitalmarkt trafen – wie der legendäre Eisberg die Titanic?

Mitte 2009 war das Bild noch ungetrübt. Keynesianische und neoklassische Wirtschaftsforscher schienen sich einig: Ohne staatliche Impulse wird die Weltwirtschaft nicht ohne Kollateralschaden aus der Finanzkrise kommen. Sieht man von technischen Differenzen ab, war sich ein Großteil der Experten einig, dass auf jeden Fall ein Bankenschutzschirm aufgespannt werden muss. Weniger Harmonie herrschte zwar bei erhöhten Staatsausgaben und der Ankurbelung privater Investitionen, aber der Tenor war dennoch klar: Lieber die ungeschriebenen Gesetze der Haushaltskonsolidierung brechen als eine wirtschaftliche Depression heraufzubeschwören. Der Durchsetzung riesiger Konjunkturpakete (Österreich: 1,71 Prozent des BIP, Deutschland: 1,44 Prozent) wehte relativ wenig politischer Gegenwind entgegen. Auftrieb bekam man außerdem durch die positiv gesinnte öffentliche Meinung und die größten Medien.

Aber das war ja so Nullerjahre. Jetzt befinden wir uns in einem neuen Jahrzent und wollen alles besser machen. Wir schalten daher Anzeigen, die Staatsschulden auf Kleinkinder runterbrechen und stören uns nicht daran, dass die Kampagne allein 728.000 Euro kostet. Oder nach Pröll’scher Methode: 31,6 schuldenbelastete Kleinkinder.

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Endlich Online

May 25th, 2010 | No Comments | Posted in Allgemein by David Ifkovits

Hallo Web 2.0,

Nach einem stressigen Semesterbeginn ist der Verfasser dieser Zeilen nun endlich zu gekommen, diesen Blog vom passwortgeschützten Testbereich hinaus an die Öffentlichkeit zu bringen.

Erreichbar sind wir unter:

www.veconomics.at

Transparenz: Der österreichische Weg

March 2nd, 2010 | No Comments | Posted in Arbeitsmarkt, Politisches by David Ifkovits

Wochenlang war der Datenschutz ein gewichtiges Thema im deutsch-schweizerisch-österreichischen Medienraum. Welch untugendhaften Moralbrüche, welch unvorstellbare Einschnitte der Privatsphäre wurden da nicht konstatiert, als die deutsche Bundesregierung sich dazu entschlossen hat, den ominösen Rohling zu kaufen, auf dem sich die Daten von rund 400 Millionen Euro schweren Steuerhinterziehern befinden.

Dass es schwer ist, eine allgemein gültige Ethik aufzustellen, mögen schon Kant & Konsorten erkannt haben, aber wie elastisch die moralischen Standpunkte in der aktuellen politischen Diskussion zum Thema Transferkonto sind, grenzt schon fast an Dreistheit.

In einem klassischen Kuhhandel wurde nun der Weg für das Transferkonto geebnet. Eine Arbeitsgruppe wird sich in den kommenden Wochen und Monaten mit der Umsetzung beschäftigen. Im Gegenzug gibt die ÖVP grünes Licht für die bundeseinheitliche Mindestsicherung, die wie geplant im September eingeführt werden soll. Doch Moment: Wie geplant? Wozu dann das Einlenken der SPÖ in Sachen Transferkonto? Was das angeht hat sich die Volkspartei definitiv ein Sehr Gut in strategischer PR und Kommunikation verdient. In der Öffentlichkeit stand man in letzter Zeit stets hinter der Mindestsicherung, richtige argumentative Ausreißer gegen das Projekt gab es nur im BZÖ-Kärnten. Doch die feudalistische Struktur unserer Alpenrepublik hat man gekonnt als Ass im Ärmel behalten. Eine bundeseinheitliche Regelung erfordert die Zustimmung aller LandesfürstInnen: Ein Leichtes, wenn man mit jenen den parteipolitischen Anstrich teilt – fast ein Ding der Unmöglichkeit, wenn jene die politische Komplementärfarbe tragen. Die ÖVP dürfte diesen Umstand bei der vergangenen Regierungsklausur gekonnt ausgespielt haben und hat so das Sozialtransferkonto durchgesetzt – unter der hübschen neuen Bezeichnung “Transparenzdatenbank”.

Die SPÖ verlässt damit auf ein Weiteres ihre – unter Faymann ohnehin schon ausgedünnten – Prinzipien und gibt sich dem Juniorpartner in der Regierung geschlagen. Die vereinheitliche Mindestsicherung begann als Projekt unter dem damaligen Sozialminister Buchinger und steht so seit Jahren unter medialer Aufmerksamkeit. Obwohl ihre Umsetzung bereits auf Schiene war, wurde sie letztendlich von dem relativ neuen Thema “Transferkonto” überrollt, das Josef Pröll im vergangenen Herbst auf einer groß inszenierten Grundsatzrede erstmals vorgestellt hatte.

Parteipolitisches Kräftemessen sticht damit ein weiteres Mal die Vernunft aus. Denn abgesehen von ihrer praktischen Schwäche (Stichwort “Sozialneid schüren”) ist die Lösung auch denkbar ineffizient. Wozu eine Expertengruppe einsetzen? Die Vereinheitlichung der Sozialleistungen könnte doch auch einhergehen mit der Schaffung einer zentralen Anlaufstelle, die die Mindestsicherung ausbezahlt und – falls gewünscht – einen “Kontoauszug” für jede/n TransferempfängerIn erstellen kann. Auf Grund der Vielzahl an Abteilungsleitersesseln, die dann wackeln würden, bleibt eine derartige Vereinheitlichung aber wohl ebenso Illusion wie die Abgabe von Länderkompetenzen, die überhaupt erst zu dieser Situation geführt haben.

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